Der große Durchblick als Mogelpackung
Gläserne Architektur gilt gemeinhin als transparent und damit offen und demokratisch. Doch längst nicht alles, was Glas ist, ist auch durchsichtig. Und Einblicke in reale Machtstrukturen gewähren die Glaspaläste unserer Innenstädte auch nicht. Autor: Oliver G. Hamm
Dunkler Kristallpalast - Harpa-Konzerthalle und -Konferenzzentrum in Reykjavik, Henning Larsen Architects und Batteríið Architects
Schillernd wie Elfenflügel, geformt aus funkelnden Eiskristallen – die Oberfläche des neuen Reykjaviker Kulturhauses löst Assoziationen aus, die aus der isländischen Sagenwelt zu stammen scheinen. Urheber des dunklen Glasspiels: der isländische Starkünstler Olafur Elíasson. Nach ersten Konzerten im Frühjahr wird das Gebäude im Herbst offiziell eröffnet. Autorin: Guja Dögg Hauksdóttir
Die Glasleserin
Die Künstlerin Sarah Morris bürstet Architektur gegen den Strich. Ihr Film „Points on a Line“ taucht ein in die Glaswelt zweier Architekturikonen. Letztlich betreibt sie dabei die Auflösung des Raums als physisches Faktum. Autor: Alexander Gutzmer
Achtung: Hier wird geforscht - MRT-Forschungsgebäude in Berlin-Buch, Glass Kramer Löbbert
Jwd – „janz weit draußen“, sagt der Berliner zu Orten wie dem Klinikum Buch am äußersten Ende der Stadt. Dennoch entstanden hier einige architektonisch attraktive Bauten wie dieses Forschungsgebäude, das sich hinter einem schützenden Schirm verbirgt. Autor: Falk Jaeger
Haus in Bewegung - WHO/UNAIDS-Gebäude in Genf, Baumschlager Eberle
Eine ganz normale Lochfassade mit preisgünstigem Wärmedämmverbundsystem erhielt in Genf eine facettenreiche zweite Haut: Die durchscheinenden Glaselemente lassen sich bei Bedarf leicht verschieben. So bringen die Mitarbeiter im Haus Dynamik in die Gebäudehülle. Autoren: Axel Simon, Gert Walden
Aufkleber ade
250 000 Vögel pro Tag sterben in Europa, weil sie gegen Glasscheiben prallen. Das wäre nicht nötig: Ein Hersteller im schwäbischen Remshalden produziert für Vögel sichtbare Glasscheiben. Eine tierfreundliche Innovationsstory Autor: Peter Gahr
Panzer und Federkleid - ThyssenKrupp-Quartier in Essen, JSWD Architekten, Chaix & Morel et Associés
Die ThyssenKrupp AG wünschte sich eine transparente, bürgernahe neue Hauptverwaltung. Die Architekten entwarfen daraufhin ein Glashaus, das von einem aufwendigen, raffinierten System aus vertikalen, verschränkbaren Sonnenschutzelementen verschattet wird. Mal schützender Panzer, mal filigranes Gitter, verändert es den Charakter des Gebäudes ganz wesentlich. Autor: Michael J. Purzer
Lasst es ranken! Apartmenthaus in Madrid, Ábalos + Sentkiewicz
Sonnenschutz wird bei diesem Wohnhaus auf ganz klassische Weise zelebriert: mit zwei Arten von Brise soleils, einem markanten Vordach für jedes Fensterband und feststehenden Alugittern – beides eine Ableitung historischer Vorbilder. Autor: Klaus Englert
Wie ein Hauch von nichts
Transparente Möbel zelebrieren die Idee vom Verschwinden der Dinge. Sie bevölkern den Wohnkosmos als Gespenster, erobern immer mehr Funktionen und zeigen sich aktuell sogar als Cyborgs, als Hybride des zeitgenössischen Designs. Autorin: Sandra Hofmeister
Die Kunst des gebrochenen Mondes
Glas ist mehr als ein Baumaterial, so die Kulturphilosophin und Kuratorin Yana Milev in diesem Essay. Früher inszenierte es das Erhabene, später illuminierte es Tempo, Industrie und Fortschritt. Der neueste Quantensprung im Bauen mit Glas, eingetreten nach der Atomkatastrophe in Japan: Es wird dunkel. Ein Versuch über Glasarchitektur. Autorin: Yana Milev



